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Dicke Aschenwolken schossen aus einem neuen Krater des sizilianischen Vulkans Ätna beim Ausbruch 2002.

Höllischer Auswurf

Von Angelika Jung-Hüttl

Geology Illustrated | April 2020

Nach dem Motto „Wo Feuer ist, muss auch was brennen“,  glaubten die Menschen früher, dass Vulkane die Abzugsschlote für Brände im Erdinnern sind. Als Asche bezeichneten sie deshalb den schwarzen Rauch, der mit den großen Explosionswolken aus den Kratern heraus quillt.

Dass es sich dabei nicht um Ruß oder Asche wie aus einem Holz- oder Kohleofen handelt, stellte sich erst im Jahr 1883 heraus, als eine Kommission der British Royal Society den Auswurf nach dem berühmten Krakatau-Ausbruch in Indonesien unter dem Mikroskop untersuchte. Die schwarzen Körnchen entpuppten sich als winzige kleine, glasige Gesteinssplitter, als feinste Partikel von Lava.

Der Ausbruch des Eyjafjalla-Vulkans 2010 legte über Wochen den Flugverkehr lahm.

Der Ausbruch des vergletscherten Eyjafjalla-Vulkans auf Island begann am 20. März 2010 – mit spektakulären Lavafontänen an seiner Flanke. Drei Wochen später verlagerten sich die Eruptionen zum Gipfel des 1666 Meter hohen Berges. Sie durchschmolzen die knapp 200 Meter dicke Eisdecke. Gewaltige Dampfexplosionen ließen Wolken Tausende Meter hoch in den Himmel quellen, die dunkelgrau und schwarz gefärbt waren von vulkanischer Asche.  Sie legten über Wochen den Flugverkehr über der Nordhalbkugel lahm. Schmelzwasser ließ die Flüsse in seiner Umgebung anschwellen.

Der Ausbruch zog sich - mal stärker, mal schwächer - bis zum 9. Juli hin. Diese Luftaufnahme stammt vom 2. Mai 2010, nachmittags um etwa 13.30 Uhr.

Dampf und Aschenwolken quellen aus dem Krater des Eyjafjalla-Vulkans.

Die Lava, die aus einer etwa 500 Meter langen Spalte in der Gipfelcaldera des Eyjafjalla-Vulkans ausfloss, war durch die Eruptionswolken kaum zu sehen.

Vulkanasche und Vulkanstaub entstehen bei starken Explosionen, wenn viel Wasserdampf oder vulkanische Gase im Spiel sind und die Schmelze durch die große Wucht beim Herausschleudern aus dem Krater in winzig kleine Tröpfchen zerstiebt, die schnell aushärten. Bis zu einer Partikelgröße bis zu 0,16 Millimeter spricht man von Vulkanstaub, bis zu einer Größe von zwei Millimetern von Vulkanasche. Größere Partikel bezeichnet man als Lapilli, noch größere – bis 64 Millimeter Durchmesser – sind vulkanische Bomben.

  • Explosion des Santiagito und des ...
  • ... Fuego, beides aktive Vulkane in Guatemala.

Aschenwolken müssen nicht immer gigantisch groß sein – bei jeder kleineren Explosion von aktiven Vulkanen werden diese schwarzen Partikel mit aus den Schloten heraus geschleudert, je nachdem, wie zähflüssig und gashaltig das aufsteigende Magma ist. Bei den Explosionen schießen dann Gaswolken aus den Kratern. Die Aschenpartikel färben diese Wolken, je nach Menge, grau bis schwarz.

Aschenwolken beim Ausbruch des Ätna auf Sizilien im Jahr 2002.

Der Flughafen der sizilianischen Stadt Catania muss manchmal schließen, wenn der 3350 Meter hohe Vulkan Ätna Aschewolken spuckt – wie hier gleich aus mehreren Kratern in einer Eruptionsphase im Oktober 2002. Die Aschenwolken stiegen über 6000 Meter hoch in den Himmel. Höhenwinde trugen sie bis weit nach Osten, Griechenland hinein und nach Süden über Malta hinweg bis nach Algerien in Afrika. Nach Satellitenaufnahmen drifteten sie 1300 Kilometer weit, bis sie sich auflösten.

Aschenablagerungen am Vulkan Hekla auf Island.

Eine Aschenwüste umgibt den Vulkan Hekla, einen der aktivsten und bekanntesten Vulkane Islands. Der Auswurf von vielen Eruptionen in den vergangenen Jahrhunderten prägt diese öde Landschaft. Flüsse haben sich in die viele Meter dicken Schichten aus grauer Vulkanasche und hellem Bimsstein eingegraben. An ihren Ufer beginnen sich Pflanzen anzusiedeln.

Bimssteine sind helle, sehr leichte Gesteinsbrocken – so leicht, dass sie auf Wasser schwimmen. Sie entstehen immer dann bei Vulkanausbrüchen, wenn das Magma so reich an Gasen ist, dass es beim Ausbruch aufgeschäumt wird. Die Fetzen aus aufgeschäumet Lava, die aus den Kratern fliegen, kühlen schnell ab – und fallen als Bimsstein vom Himmel.

Auch in Deutschland gibt es Aschenschichten – in der Eifel, wo einst Vulkane spuckten.

Vor 50 Millionen Jahren begannen in der Eifel Vulkane auszubrechen – bis vor, erdgeschichtlich gesehen, nicht allzu langer Zeit. Vor 10 000 Jahren fanden die letzten Ausbrüche statt. Die Unmengen von Vulkanasche und Bims, die sich Schicht für Schicht abgelagert haben, werden heute wirtschaftlich in der Baustoffindustrie genutzt. Ganze Berge werden in der Vulkaneifel abgegraben – dadurch wird der Blick auf die Schichtung frei.

  • Glutlawinen ...
  • wenn Aschenwolken Hänge hinunterrasen.

Aschenwolken, die mehrere Hundert Grad Celsius heiß mit 500 Stundenkilometern Geschwindigkeit den Hang eines Vulkans hinunter rasen – wie hier am Soufrière-Hills-Vulkan auf der Karibikinsel Montserrat, gehören zu den größten Gefahren überhaupt, die von den Feuerbergen der Erde ausgehen. 

Der Soufière-Hills-Vulkan hat 400 Jahre lang geschlafen, bevor er 1995 wieder erwachte. Seine Lava ist sehr zähflüssig und verstopft den Schlot.  Durch den Druck aus dem Erdinnern kommt es immer wieder zu Explosionen, wobei die Aschenwolken so schwer mit Material beladen sind, dass sie nicht in den Himmel aufsteigen, sondern in sich zusammenfallen und sich wie heiße Staublawinen über die Vulkanflanken ergießen.  Vulkanologen sprechen von einer Glutlawine oder einem pyroklastischen Strom. Wer dahinein gerät, stirbt einen schnellen Erstickungstod und der Körper verkohlt.

Die Ruinen eines ehemaligen Farmhauses unter dem Gipfel des erwachten Vulkans Soufière-Hills auf der Karibikinsel Montserrat, das von einer glühenden Aschenwolke, einer Glutlawine, überrollt wurde. Die Bäume wurden abrasiert, die Stämme verkohlten, Mauern stürzten ein und eine teilweise meterdicke Schicht aus heißer Vulkanasche und Gestein überdeckte die Landschaft, die Monate brauchte, um abzukühlen.

Gefährlich, aber fruchtbar - Vulkanasche ist wie Dünger.

Der schwarze Vulkankegel des 5023 Meter hohen Vulkans Tungurahua in Ecuador zeigt die guten Seiten der Vulkanasche. Vor allem in den warmen und feuchten Gegenden der Erde verwittert sie rasch. Weil sie aus vielen für die Landwirtschaft wertvollen Mineralien zusammengesetzt ist, wirkt sie dann wie ein Dünger und macht die Böden fruchtbar. Deshalb leben oft viele Menschen in der Umgebung von aktiven und auch gefährlichen Vulkanen. Sie nehmen das Risiko in Kauf, weil sie dort eine ertragreiche Landwirtschaft betreiben und sich gut ernähren können.

Stromboli - Vulkaninsel im Mittelmeer: Hier kann man Vulkansusbrüche beobachten.

Wer in Europa eine Vulkanexplosion mit Lava- und Aschenauswurf beobachten möchte, muss nach Stromboli reisen – eine der Liparischen Inseln im Mittelmeer im Süden Italiens. Das Eiland ist nicht mehr und nicht weniger als der Gipfel eines untermeerischen, daueraktiven Vulkans, der sich 926 Meter über den Meeresspiegel erhebt.  Die Insel ist bewohnt. Gut 500 Menschen leben dort. Im Sommer kommen viele Touristen dazu.

Je nach Aktivität bricht er einmal oder mehrmals pro Stunde aus. Nachts fahren Boote um die Insel herum, von denen aus die Eruptionen wie Feuerwerke gut zu sehen sind. Man kann den Gipfel aber auch unter fachkundiger Führung besteigen, und die Ausbrüche nicht nur aus der Nähe anschauen, sondern auch das Grollen des Vulkans hören, das Zittern des Bodens spüren und die ätzenden Schwefelgase riechen.

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