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Diskobucht, Westgrönland, im März: Gigantische Eisberge treiben zwischen den Schollen der aufgebrochenen Meereisdecke.

Schwimmende Inseln aus Eis

Von Angelika Jung-Hüttl

Geology Illustrated | Januar 2020

Eisberge sind schwimmende Massen aus Süßwassereis, die von der Front eines Gletschers abgebrochen sind. Eine Meereisdecke besteht dagegen aus gefrorenem Salzwasser. Während Süßwasser bei Null Grad Celsius zu einer kalten harten Kruste auskristallisiert, wird Salzwasser erst bei minus 1,9 Grad Celsius zunächst zu einem suppigen Eisschlamm, aus dem das Salz allmählich aussickert, wobei sich eine starre Meereisdecke bildet.

Es gibt wohl kaum einen anderen Ort auf der Erde, an dem sich Eisberge besser beobachten lassen, als in der Diskobucht an der Westküste Grönlands. Dort mündet der Ilulissat-Eisfjord ins arktische Meer. Der Fjord, er gehört zum UNSECO-Weltnaturerbe, ist vollgestopft mit Eisbergen und Eistrümmern, die alle von der Front des Jakobshavn-Gletschers (in der Sprache der Inuit Sermeq Kujalleq) abgebrochen sind. Er ist einer der größten Eisströme, die vom Inlandeis herabfließen - dieser gigantischen Eiskappe, die fast ganz Grönland überdeckt.

Eisberge und Eistrümmer treiben dicht an dicht im Ilulissat-Fjord

Der Illulissat-Eisfjord ist 40 km lang. Die Eistrümmer treiben so dicht aneinander, dass man kaum das Wasser des Fjords sehen kann. Die Eisberge in der Arktis können mehrere Hundert Meter lang und breit sein. Manche ragen 50 Meter und höher über den Wasserspiegel. Das ist jedoch nur etwa ein Fünftel bis zu einem Siebtel der gesamten Masse eines Eisbergs. Der Rest verbirgt sich unter Wasser.  

  • Gipfeleisberg in der Diskobucht ...
  • ... und ein Eisberg mit Plateau.

Während die Eisberge im Meer treiben, verändern sie ständig ihre Form. Wind und Wellen setzen ihnen zu  - und sie verwittern, wie Gestein auch. Sonne, Regen, Schnee und vor allem die Temperaturschwankungen um die Null Grad Celsius machen ihnen zu schaffen. Sie schmelzen. Oft brechen dann Stücke ab, manche verlieren dadurch ihr Gleichgewicht und drehen sich. Aus kompakten Bergen werden Türme oder Tore, oder Plattformen mit bizarren Skulpturen.

Tore aus Eis sind gefährlich, denn sie können jederzeit einstürzen.

Große, kompakte Eisberge können ein paar Jahre überleben und Hunderte Kilometer weit treiben, bis sie zerbrechen oder geschmolzen sind. Die Eiskolosse, die von Grönlands Gletschern abbrechen, driften im Grönlandstrom zuerst entlang der Grönländischen Küste und dann entlang von Baffin-Island an der kanadischen Küste im Labradorstrom nach Süden bis nach Neufundland. Dort  kreuzen sie die Schifffahrtslinien und können zur Gefahr werden. Der Untergang der „Titanic“  im Jahr 1912 ist wohl das berühmteste Beispiel für die Kollision eines Ozeandampfers mit einem Eisberg.

  • Blankes Eis kommt zum Vorschein , ...
  • ... wenn sich die Eiskolosse drehen.

Wenn sich ein Eisberg dreht, taucht seine ständig vom Meerwasser umspülte, und daher oft muschelig strukturierte Unterseite auf. Die gefrorene Masse ist dort glasklar wie die Eiswürfel in einem Wisky-Glas.

Oft ist in der Nähe dieser frisch rotierten Kolosse ein leises Brausen zu hören, als würde Kohlensäure aus Mineralwasser ausperlen. Dieses „Sizzling“ genannte Geräusch wird durch das Platzen von Abermillionen Luftbläschen hervorgerufen, die für Jahrhunderte und länger unter hohem Druck in dem Eis eingeschlossen waren – und, sobald der Druck abnimmt, zischend entweichen.

An der Eisfront des „kalbenden“ Hubbard-Gletschers in der Yakutat Bay Alaskas.

Glaziologen bezeichnen die Entstehung von Eisbergen, wenn sie von den Gletscherfronten abbrechen, als „Kalben“.  

Auch die Hochgebirgsgletscher von Alaska erzeugen Eisberge, allerdings sind diese viel kleiner als die von den arktischen und antarktischen Gletschern, die von gigantischen, ins Meer mündenden Gletscherzungen stammen.

Eisberge im trüben Schmelzwasser vor dem Nizina-Gletscher in Alaska.

Die Eisberge, die von Hochgebirgsgletschern abbrechen, treiben einige Zeit in den Schmelzwasserseen an der Front der Eiszungen. Dort zerfallen sie oder schmelzen.

Die Seen sind oft schlammig und trüb von dem Moränenschutt, den die Gletscher aus den Gebirgen heraus transportieren – und der auch die Eisberge durchsetzt.

  • Zerfall am Eisrand des Gletschers Skeidararjökull ...
  • ... auf Island. Der schwarze Schutt stammt von Vulkanen.

Schwarz gefärbt sind die Eisberge, die von den Rändern der isländischen Gletscher abbrechen und in den Schmelzwasserseen treiben – wie hier zum Beispiel vor dem Gletscher mit dem Namen Skeidararjökull.

Mit dem Rückzug des Gletschers aufgrund der Klimaerwärmung vergrößert sich der See. Vom Eisrand brechen ständig große Stücke ab und treiben dann im trüben Wasser, bis sie geschmolzen sind. Island gilt aufgrund seiner vielen aktiven Vulkane auch als die Insel aus Feuer und Eis. Die Gletscher und somit auch die Eisberge sind deshalb schwarz gefärbt durch die Vulkanasche, die sich auf dem Eis ansammelt und auch im Eis eingefroren ist.

Tafeleisberg in der Westantarktis.

Dieser Eiskoloss ist ein typischer Vertreter für die Eisberge in der Antarktis. Solche Tafeleisberge sind in der Regel noch viel größer als die Eisberge in der Arktis, und sie sind oben meistens flach. Die Ursache dafür: Die Eismassen der Antarktis fließen vom Kontinent viele Zehner bis Hunderte Kilometer weit hinaus aufs Meer und bilden dort eine gigantische, zusammenhängende ebene Platte – das sogenannte Schelfeis. An deren äußerem Rand brechen Stücke von der Fläche einer Großstadt ab.

Der größte, jemals per Satellit entdeckte Eisberg in der Antarktis, er wurde B-15 getauft, ist im Jahr 2000 vom Ross-Schelfeis abgerissen. Er war mit einer Fläche von über 11 000 Quadratkilometern etwa so groß wie Jamaika. 

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Kommentar
Frank | 03.01.2020

wie immer wunderschöne Bilder mit toller Beschreibung. Danke! Bin ich froh, daß ich irgendwann auf diesen Blog aufmerksam wurde

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